Die Germanistik hat sich bisher mit dem literarischen Werk von Thomas Harlan noch kaum auseinandergesetzt. Wer auf eine (publizierte oder nicht publizierte) Arbeit mit wissenschaftlichem Anspruch hinweisen möchte, kann dies gerne über das Kontaktformular tun.

Gesamtwerk

Sieglinde Geisel: Universum der Zentrifugalkräfte. Zum schriftstellerischen Werk von Thomas Harlan. In: Sinn und Form, 1/2012, S. 53-61.

Andreas Schmiedecker: Fassungslose Geschichtsschreibung. Geschichtliche und biografische (De)Konstruktion bei Thomas Harlan. In: SYN, 02/2012.

Abstract: In den Film- und Prosaarbeiten von Thomas Harlan (1929-2010) scheinen, nicht zuletzt verbunden mit den Besonderheiten der Familiengeschichte des Künstlers, einzigartige Konzepte von Geschichte und Narration aufeinander zu treffen. Wundkanal (1984) lässt einen ehemaligen Kriegsverbrecher eine Variante seiner eigenen Biografie verkörpern und auf kontinuierliche Verbrechenslinien vom dritten Reich zur BRD treffen; die Romane Rosa (2000) und Heldenfriedhof (2006) verknüpfen Fakten und Fiktionen zu einer Konstruktion, die das Verhältnis von Erlebnis, Schuld und Erzählung auf wohl einzigartige Weise befragt. In der formalen und inhaltlichen Gestaltung seines Werks können nun übergreifende Methoden aufgespürt werden, die zu einem mehrstufigen Modell der Beschäftigung mit dem Vergangenen führen – die „Fassungslosigkeit“ wird dabei zum Argument gegen die „Undarstellbarkeit“.

„Rosa“

Joanna K. Stimmel: Wounded Body, Wounded History, Wounded Text: “Transgenerational Trauma” in Thomas Harlan’s Rosa. In: Gegenwartsliteratur, Nr.3. Hg. von Paul Michael Lützeler und Stephan K. Schindler, Tübingen 2004, S. 97-122

Abstract: Based on the writer’s research of Nazi crimes in the Kulmhof extermination camp, Rosa is a text about the trauma that still haunts the people who came in contact with the genocide: victims, perpetrators, bystanders and, in the form of cultural memory, their descendants. On another level, it is a text that, through its rejection of coherent narration, linear development, and closure, itself epitomizes the unnarratability of the traumatic past. The essay analyzes how the writer attempts to confront the phantoms of the German past and his own positioning in it. In this sense, Harlan’s representation of Holocaust trauma as a metonym of pain, shared universally across groups and generations, is problematic. Viewing trauma as a “normal” state in the post-Holocaust/postmodern world not only deflates the concept of trauma but also disavows the discussion of guilt and responsibility on both the individual and the collective level.